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Einfach ich
 Ein Versuch: ohne Milch
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Ich brauch mal ein paar gute Wünsche
26. January 2012, 20:46, Einfach ich
Samstag nachmittag hat meine vierjährige Tochter angefangen, sich zu übergeben. Das wurde dann so schlimm, dass sie nicht mehr ansprechbar war und wir noch in der Nacht den Notarzt gerufen haben. Sie ist dann auch gleich ins Krankenhaus gekommen und hing bis gestern morgen am Tropf. Dianose: Rota-Viren. Seit gestern mittag sind wir jetzt wieder zuhause, wenn sie genug trinkt, bleibt das auch so. Ihr gehts zum Glück viel besser!
Ich selber habe mich natürlich auch angesteckt, mich hat´s aber nicht ganz so schlimm erwischt. Aber gut gehen ist definitv anders.
Natürlich mache ich mir jetzt auch Sorgen, ob ich gleich den nächsten Schub bekommen werde, die letzten kamen ja auch nach Infekten. Mit Rebif mache ich jetzt grad erstmal Pause (nach Rücksprache mit meiner Neurologin).
Ich frag mich aber langsam, warum ich mittlerweile so infektanfällig bin. Ich hol mir ja ständig was weg. Und wenn jedem Infekt ein Schub folgt - prost Mahlzeit! Vielleicht wäre ich ja ohne Rebif besser dran?
Versuch einer Zwischenbilanz
5. January 2012, 22:31, Einfach ich

Wie soll ich nun festlegen, was mir die Ernährungsumstellung bisher gebracht hat? Keine Ahnung, deshalb habe ich mich bis jetzt so ein bisschen um jede Aussage dazu gedrückt. Aber jetzt will ich mal versuchen, ein bisschen konkreter zu werden, sprich, zu schreiben, wie es mir geht.

Kurz gesagt – ich fühle mich gut.

Ich kann nicht behaupten, dass meine Sensibilitätsstörungen weg sind, aber sie sind weniger geworden. Ich arbeite im Büro und brauche meine Hände daher laufend zum Tippen. Weil sich ein Teil meiner Finger (v.a. die kleinen Finger und die Daumen) spätestens am frühen Nachmittag regelmäßig falsch anfühlen (ein bisschen wie eingeschlafen, leicht taub), hatte ich bisher einen immensen Verbrauch an Kinesio-Tape. Das hilft mir immer, die Finger wieder richtig zu spüren. Auch für meine Füße verwende ich das Tape sehr gerne, hier gegen die Schmerzen (nicht so schlimme – meistens – aber halt doch sehr unangenehm).

Fakt ist, dass mein Tape-Verbrauch drastisch gesunken ist. Ich tape weit seltener wegen Sensibilitätsstörungen und auch weniger wegen der Schmerzen. Das wiederum tut auch meiner Haut gut, denn auf Dauer ist der Kleber des Tapes für die Haut nicht so ideal.

Ich fühle mich allgemein fitter und klarer im Kopf. Letzte Woche hatte ich Urlaub, diese Woche habe ich wieder gearbeitet. Es war wirklich sehr viel los, so dass ich jeden Tag sehr lange und konsequent gearbeitet habe. Zum einen ist es mir super gelaufen – wie geschmiert –, zum anderen hat es mir auch richtig Spaß gemacht. Und obwohl heute ein richtiges Durcheinander geherrscht hat und ich dauernd unterbrochen wurde, hatte ich keine Probleme, immer wieder in meine Sachverhalte einzusteigen und mich zu konzentrieren. Unterbrechungen nerven zwar immer – finde ich zumindest –, aber ich lasse mich davon nicht mehr so schnell aus dem Konzept bringen. Irgendwie bin ich ausgeglichener, was ich schon die gesamten letzten Wochen merke.

Seit der Diagnose im Sommer 2010 habe ich ständig nur abgenommen (war nicht ganz so tragisch, ich hatte auch noch einige Schwangerschaftskilos drauf). Ich habe aber in den letzten Monaten deutlich weniger gewogen, als vor meinen beiden Schwangerschaften. Das ist bei mir immer so. Wenn es mir gutgeht, nehme ich zu, geht es mir schlecht, nehme ich ab. Dann habe ich einfach keinen vernünftigen Appetit mehr (womit ich normalerweise keine Probleme habe).

Mittlerweile macht mir meine Ernährungsumstellung richtig Spaß. Ich habe wieder Appetit und finde es einfach sehr spannend, immer wieder neues zu probieren. Ich habe auch zum ersten mal seit der Diagnose wieder ein bisschen zugenommen (dass ich sowas mal positiv erwähne hätte ich nie gedacht). Ich hatte ja schon mal alles-vegetarisch.de erwähnt. Ich könnte mich dort ohne Ende durchprobieren. Außerdem gibt es in den hiesigen Reformhäusern und Naturkostläden auch etliche interessante Produkte.

Am schlimmsten fand ich in der Vergangenheit ja immer die Soja-Würstchen, schüttel!!! Jetzt lass ich die links liegen und stürze mich mit Begeisterung auf die Würstchen aus Weizeneiweiß von der Firma Wheaty. Sogar mein Mann – begeisterter Fleischesser – findet, dass man die gut essen kann.

Außerdem habe ich das große Glück, dass ich eine echt tolle Mutter habe, die mich unterstützt, wo sie nur kann. Sie kocht und backt regelmäßig für mich. Wir haben dieses Jahr auch vegane Plätzchen gebacken (sie, meine „Große“ (4) und ich), so dass wir auch in der Weihnachtszeit auf nichts verzichten mussten.  Sie macht Seitan (Weizeneiweiß/Gluten) selber (Rezepte gibt´s im Internet) und macht daraus zum Beispiel ein echt leckeres Gulasch. Ob Kartoffelgulasch, Semmelknödel, Seitan-Gulasch, Kartoffelbrei, „Eiersalat“ auf Kichererbsenbasis, diverse Suppen, Salate… ich könnte endlos aufzählen. Anfangs hatte ich die Befürchtung, es könnte ein bisschen einseitig werden. Ich bin in der Küche nicht gerade die Fleißigste und koche nicht allzu gerne. Aber die Befürchtung war umsonst. Ich habe richtig Spaß am Essen.

Und an dieser Stelle möchte ich mal ein ganz großes Danke an meine Mutter richten: Mutti, du bist die beste, ich hab dich furchtbar lieb!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ganz allgemein fühle ich mich einfach wacher und fröhlicher, ich habe wieder mehr Schwung und finde wieder Freude an Dingen, die mir im letzten Jahr einfach zu viel waren.

Ob diese ganzen Veränderungen nun mit der Nahrungsumstellung zu tun haben, kann ich – ehrlich gesagt – nicht beurteilen. Ist aber auch egal. So gut ging es mir schon lange nicht mehr, also bleibe ich auf jeden  Fall dran. In der letzten aktiv war auch ein Bericht darüber, dass die Ernährung die MS eine große Rolle spielen könnte (Aktiv 4/2011; Gesunde Darmflora als Auslöser von MS im Verdacht). Das bestätigt mich und ich bleibe auf jeden Fall dran.

Die Reaktion der anderen
23. December 2011, 22:59, Einfach ich

So, Schub überstanden, anscheinend nix nennenswertes zurückgeblieben, Optimismus wieder da ;-).

Ich bin froh, dass ich so glimpflich davon gekommen bin und dass ich durchgehalten habe.

Mit der Ernährung komme ich mittlerweile ganz gut klar. Zu viel Soja ist aber nicht meins, da Soja als Bohnenprodukt ja eh eine blähende Wirkung hat und ich auch sonst finde, dass es gar nicht überall passt. Und „Fleischesser“ haben ja auch nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller, warum sollte ich das also mit Soja machen?? Auch gibt es ja noch reichlich andere „Ersatzprodukte“, auf die man ausweichen kann, wenn man denn möchte. Ich bestelle mittlerweile häufiger bei alles-vegetarisch.de Die führen rein pflanzliche Produkte, was den Einkauf einfach macht.

Worüber ich aber eigentlich schreiben möchte, ist, wie die Umwelt mit mir umgeht – bezüglich der Ernährung natürlich.

Vegetarier bin ich – wie bereits geschrieben – schon lange, und ich bin es gewöhnt, dass dies ständig von anderen in Frage gestellt wird. Ich bin also nicht unbedingt positive Reaktionen gewöhnt. Und obwohl ich grundsätzlich nicht versucht habe, andere „zu bekehren“, wurde mir dies doch latent immer mal wieder unterstellt. Und dann kamen die ganzen Gründe, warum Fleisch essen gut und wichtig ist und warum alles andere total ungesund (ich sag nur Eisenmangel).

Also ich mich jetzt entschieden habe, zumindest zeitweise zum Fast-Veganer zu werden, habe ich mit wirklich heftigen Reaktionen gerechnet. Aber ich habe mich geirrt.

Ich gehe mit der MS recht offen um. Ich versuche natürlich, sie nicht in den Vordergrund zu stellen (sie gehört zu mir, aber sie definiert mich nicht), aber ich verheimliche sie auch nicht. Als insbesondere meine Kollegen gefragt haben, warum ich keine Milchprodukte mehr zu mir nehme, habe ich einfach nur gesagt, dass es sich um einen Versuch handelt. Einen Versuch, da mir die Tatsache, dass mit zunehmendem Milchkonsum auch die Erkrankungszahlen in Asien ansteigen, zu denken gibt.

Bisher hat jeder, aber auch wirklich jeder, mit dem ich darüber gesprochen habe, sehr positiv reagiert. Keine blöden Kommentare, kein Augenverdrehen, nichts! Einfach nur die Aussage, dass es doch klar ist, dass ich alles probiere, was mir weiterhelfen kann. Vor dem Hintergrund der MS hat anscheinend jeder Verständnis dafür. Ist vielleicht auch logisch, da ich meinen Mitmenschen einen Grund für meine Ernährung nennen kann, der nichts mit Ihnen zu tun hat, den sie nicht als Anklage werten können. Denn es geht ja rein um meine Gesundheit¸ moralische Diskussionen entstehen hier erst gar nicht. Trotzdem bin ich immer noch positiv überrascht.

So, morgen ist ja auch schon Weihnachten. Es gibt Flädlesuppe (selbstverständlich mit selbstgemachter Gemüsebrühe) und einen leckeren Nachtisch. Einfach, aber lecker. Und kindertauglich.

Allen, die das hier vielleicht vorher noch lesen, wünsche ich schöne Weihnachten und einen guten Start ins neue (hoffentlich möglichst gesunde) neue Jahr.

Mmmpppphhhh!!
1. December 2011, 21:50, Einfach ich

Wenn schon zu optimistisch, dann aber auch völlig.

Also, das mit der Ernährung lief die letzte Woche echt ganz gut, obwohl die Woche selber beschissen war und ich drauf und dran war, das Experiment einfach abzubrechen, mir eine Zigarette zu gönnen und mich zu betrinken.

Und das kam so:

Dem Infekt ist nämlich leider doch ein Schub gefolgt. Zu meinem großen Glück habe ich echt tolle Ärzte, die schon vor mir gemerkt haben, dass etwas mit meinem Gang nicht so ist, wie sonst. Ich hatte zwar gemerkt, dass meine Sensibilitätsstörungen stärker geworden waren, habe mir aber deshalb nicht wirklich Sorgen gemacht. Ich weiß ja mittlerweile, dass ein Infekt bestehende Symptome vorübergehend verstärken kann. Als meine Ärztin mir dann sagte, dass meine komplette linke Seite weniger Kraft hat und ich auch den Seiltänzergang mit geschlossenen Augen überhaupt nicht durchführen konnte, war ich schon erst mal ein bisschen geschockt.

Mit Cortison zu behandeln stand aufgrund der motorischen Einschränkungen schnell fest, wegen des vorangegangenen Infektes wurde aber erst noch mal Blut abgenommen um sicher zu gehen, dass durch das Cortison der Infekt nicht wieder aufflammt.

Zum Glück waren die Werte alle in Ordnung, nach drei Tagen Cortison-Infusion bin ich jetzt wieder oben auf, wenn auch noch etwas erschlagen.

Ob sich meine veränderte Ernährung ausgewirkt hat, weiß ich nicht. Ich habe mich letztendlich doch zusammengerissen und bin nicht in alte Gewohnheiten verfallen (weder geraucht, noch getrunken). Ich hab mich gesund ernährt und viel getrunken (für die Venen). Meine Ärztin hat sich sehr über meine sehr guten Leberwerte gefreut, die bei mir in der Vergangenheit eher mal über dem Normwert lagen. Wäre ja schön, wenn meine Leberwerte durch die Ernährung niedrig bleiben könnten. Ich bekomme derzeit Rebif 22 und aufgrund des aktuellen Schubes ist angedacht, auf Rebif 44 umzusteigen – also eine zusätzliche Aufgabe für meine Leber! Prost!

Da war ich wohl zu optimistisch
22. November 2011, 22:44, Einfach ich

Leider muss ich meinen letzten Beitrag ein bisschen revidieren.

Ich habe in der Zwischenzeit feststellen müssen, dass ich Milchprodukte zu mir genommen habe, ohne es zu wissen. Auf die einfache Frage beim Bäcker, ob das Brot/die Wecken denn auch ohne Milchprodukte seien (Antworterwartung: ja), hieß es doch tatsächlich: nein, bis auf eine Sorte Brot und einen Wecken sind bei uns alle mit Milch. Und das bei einem wirklich guten ortsansässigen Bäcker, der noch selber backt. Bei den großen Ketten brauch ich ja gar nicht erst fragen, da kommt nämlich nicht mehr als ein Achselzucken (hab´s versucht).

Da ich berufstätig bin und gerne mal schnell in der Mittagspause zum Bäcker gegangen bin, bedeutet dass schon eine größere Einschränkung für mich.

Oder aber die leckere Zartbitterschokolade – mit Obers. Woher soll denn bitte Otto-Normal-Verbraucher wissen, dass das österreichisch für Sahne ist!?!

Ehrlich gesagt habe ich bisher noch keinen Weg gefunden, mit dem ich so richtig zufrieden bin. Zu viel Arbeit darf es einfach nicht machen (ist mir einfach zuviel), gesund sollte es aber trotzdem sein. Aber egal, aufgegeben wird nicht, schon aus Prinzip!  

Und zum guten Schluss: Ich hab jetzt doch tatsächlich einen Bäcker gefunden, der seine Brote und Wecken milchfrei herstellt (und außerdem einen sehr leckeren Marmorkuchen hat; nicht vegan, da mit Ei, aber ohne Butter und Milch). Es gibt also doch noch Grund zur Hoffnung!

Ach ja, natürlich esse ich auch Obst und Gemüse, das ist das einfachste.

Es ist gar nicht so schwierig
5. November 2011, 23:58, Einfach ich
Danke erstmal für die Kommentare, ich habe mich sehr darüber gefreut.
Bis jetzt läuft eigentlich alles sehr gut. Ich muss zwar ein bisschen besser aufpassen, öfter mal die Zutatenliste lesen, aber es ist erstaunlich, was ich alles trotz Verzicht auf Milchprodukte essen kann. Ich mag ja schon sehr gerne Süssigkeiten und auch hier ist die Auswahl gar nicht so gering (z.B. Lupinesse Eis; sehr lecker).
Schwierig sind eher die kleinen Versehen. Gestern hat mir meine Tochter ganz stolz einen ihrer Butterkekse abgegeben. Da hab ich gar nicht drüber nachgedacht, dass ich den ja eigentlich nicht essen sollte. Beim nächsten Mal muss ich hier besser aufpassen.
Es ist natürlich zu früh um irgendwelche Rückschlüsse auf die MS zu ziehen. Ich bin aber allgemein ganz zufrieden. Ich hab gerade einen nicht so netten Infekt hinter mir und wohl keinen neuen Schub dazu. Das war beim letzten Infekt anders, also freue ich mich einfach drüber.
Warum das Ganze
1. November 2011, 21:11, Einfach ich
MS wurde bei mir im Sommer 2010 festgestellt. Seit Herbst 2010 spritze ich Interferone und komme damit soweit ganz gut klar, ich hatte meinen letzten Schub Anfang dieses Jahres.
In diesem letzten Jahr habe ich so allerhand ausprobiert - Homöopathie (begleitend), Heilpraktiker, progessive Muskelentspannung, ... . Ich mag´s einfach nicht, das Gefühl zu haben, nichts tun zu können.
Schon seit mehreren Jahren bin ich überzeugter Vegetarier - weniger aus gesundheitlichen Gründen als viel mehr aus ethischen. Da ich außerdem eine Laktoseintoleranz habe, habe ich ohnehin versucht, meinen Milchkonsum (einschließlich aller aus Milch erzeugten Produkte) nicht ausufern zu lassen.
Die Heilpraktikerin riet mir vor ca. einem halben Jahr mal ganz auf Milchprodukte zu verzichten. Die Gründe zu erläutern, wäre hier zu umfangreich.
Ich habe daraufhin versucht im Internet mal ein bisschen nachzulesen. Dabei habe ich feststellen müssen, dass dieses Thema mehr als umstritten ist.
Für mich habe ich nun beschlossen, es einfach mal zu probieren: keine Milchprodukte für ein halbes Jahr, ab heute. Mal sehn´, wie´s mir damit geht.



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