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renate
 phoenix
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warten auf den Frühling
25. November 2009, 11:31, renate
Wenn die Freunde rar werden und die Stille laut, wenn der Erlkönig mich lockt, dann spinne ich ein Kokon und warte auf den Tag der Schmetterlinge.
Die Pusteblume
12. August 2008, 12:13, renate

Er klopfte sich den Sand vom Körper. Am besten wäre es sich kurz zu duschen, aber erst musste er noch die mit den verspiegelten Gläsern anmachen und sich so den Abend sichern. Nachdem er sich ein paar Mal gestreckt, gedreht und seine Muskeln hatte spielen  lassen, vor allem aber  die zwei entscheidenden Punkte für seine   

 

Mannschaft beim Beachvolley heruntergeschlagen hatte, war die  Verspiegelte planmäβig  ins Netz gegangen. Der Rest war Routinearbeit gewesen und bei einer Lemonsoda am Kiosk hatte er feststellen können, eine ohne Vorurteile an Land gezogen zu haben.

 

Die Nummer, die sie dann zusammen im Bett hinlegten,  war  einwandfrei gewesen  und lieβ sie glauben, es 'mal miteinander ausprobieren zu können. Bald darauf bekam er eine gute Stelle  bei Goldax und sie begann ihre Karriere als freelance bei. Sparkle & Co und da beider liebster Sport das Karriereklettern war brachten sie es binnen

 

kurzem zu führenden Stellungen und viel Geld. Sie bedauerten es sehr, so wenig Zeit füreinander übrig zu haben, deshalb schrieben sie sich  mehrmals am Tag zärtliche mails und führten ausführliche nächtliche  Telefongespräche voller zärtlicher Worte. Dann wurden die Pausen zwischen den Anrufen  länger und die Telefongespräche  

 

kürzer und als der gemeinsam geplante Urlaub wegen unaufschiebbarer Termine ins Wasser fiel, stritten sie sich heftig by phone und um den Frust aushalten zu können, trösteten sich beide mit aufregenden one-night shows.

Eines Tages jedoch wollte er sie dringend sprechen, aber sie war telephonisch

 

nirgends zu erreichen. Also schickte er ihr eine mit Ausrufezeichen versehene Mail, in der er sie bat, wo immer sie auch sei, doch bitte schnell nach Hause zu kommen. Das geschah just in der Woche, in der sie mit José zusammen war und  wahrlich an nichts anderes denken wollte. Als sie dann doch, vom schlechten Gewissen geplagt,

 

anrief, hörte er sich so kleinlaut und weinerlich an und stammelte so widersinniges Zeug, dass sie es sofort bereute ihn angerufen zu haben und  schnell wieder zu José ins Bett schlüpfte.

In Josés Armen träumte sie dann,  mit einem  Mann gemeinsam durch ein Feld voller 

 

stacheliger Maiglöckchen zu laufen, an denen der Mann sich  blutig kratzte, während sie, von einem Heiβluftballon getragen und mit einer Pusteblume in der Hand, neben ihm schwebte und ihn neckte, was  den Mann gewaltig ärgerte und sie ungemein amüsierte. Wütend fing der Mann daraufhin an lautstark zu fluchen. Als Antwort lieβ  

 

sie  ein wenig Heiβluft ab, um noch etwas höher zu fliegen. Das wüste Spiel dauerte bis sie laut lachend hinter den Wolken verschwunden war.

Als sie aufwachte, hatte sie das bestimmte Gefühl, dass das wahre Leben erst jetzt begonnen hatte.

Ein Picnic
24. July 2008, 15:53, renate

Gedankenverloren schaute sie beiden nach. Mehrere Male hatte Lene gefragt, ob sie und  Siggi nicht doch bleiben sollten, aber sie hatte dankend abgelehnt. Lene hatte ihr  einen kleinen Rucksack mit Proviant  gepackt und Siggi hatte ihr ein kleines Feuer entfacht.

 Das Treiben der Flammen zog sie in ihren Bann, doch als aus dem Feuer eine Einladung zum Hexensabbat auf dem Blocksberg kam, verscheuchte sie diesen Gedankenspuck und fand ihr inneres Gleichgewicht wieder. Fortan wurde die Stille nur noch vom Knacken des Holzes unterbrochen.  

 

Nun war sie alleine, doch nicht lange und sie bemerkte ein paar Gluehwuermchen, die  ueber die Wiese huepften. Oder schwebten? Oder tanzten? Mit Sicherheit haette sie dem Treiben der Gluehwuermchen nicht so verzueckt zugeschaut, haette sie  deren wahre Natur geahnt, so aber erlag sie deren Zauber und versuchte sogar eines zu fangen ohne darueber nachzudenken weshalb und wozu.

Sie stob ihnen ueber die Wiese nach, keuchte, lachte und hielt nur an, als er -  wie selbstverstaendlich  -   auf die Lichtung trat, ihr entgegeneilte und sie fest in seine Arme schloss.  Sie laechelte uebergluecklich,  legte ihre Arme um seinen Hals und  schloss die Augen. Wortlos kuessten, streichelten und herzten sie sich. Leicht fuhr er ueber ihre Augenbrauen, kuesste sie auf die Augenlider  und zeichnete mit dem Daumen ihren Mund nach, waehrend sie wie eine Kerze dahinschmolz. Leise ertoente Ravels Bolero, schwoll an, brauste auf und verstummte, mit einem Schlag. Als sie die Augen wieder oeffnete, sah sie nur  einige Zweige sich heftig bewegen. Er war gegangen.

 

Ein kalter Windhauch lies sie die Strickjacke fester an sich ziehen. Dann loeste sie die Bremse und rueckte den Rollstuhl etwas naeher ans Feuer. Eine Traene stand ihr im Auge.

 

Der Gaertner
28. May 2008, 10:44, renate

Jeden Morgen stand er frueh auf, zog sich seinen alten Pulli an und   ging  in den Garten hinaus um nachzusehen, ob seine Schuetzlinge ueber Nacht Schaden erlitten hatten. Das war eigentlich eine ueberfluessige Vorsicht, doch so konnte er seinem Vergnuegen einen sorgenvollen Anstrich geben.

Seinen Garten gedeihen zu sehen und  gute Luft einzuatmen, gaben ihm Kraft fuer sein Tagwerk. Er strich  mit der Hand ueber einen Strauch, klopfte leicht auf einen rissigen Stamm, beruehrte  unscheinbare Bluemchen  und war begeistert, wenn er eine neue Knospe  entdeckte. Im Sommer dann, wenn die Tautropfen im ersten Sonnenlicht wie Diamanten funkelten, war er besonders guter Laune und hoerte sogar die zartblauen Glockenblumen leise laeuten.

Die Gartenarbeit brauchte viel Zeit und  Zuwendung und hin und wieder, wenn er sich einen Stachel in den Finger bohrte oder ihm ein Zweig ins Gesicht schlug,  da schimpfte er laut, wortreich und haesslich. Dabei war nie geklaert worden, ob der Garten auch wirklich sein eigen war. Doch wie es auch sei, der Garten antwortete  seinen Muehen,  indem er die Beete, eines nach dem anderen, in den schoensten Farben und  mit den besten Dueften explodierten lies..

Eines Tages jedoch, man weiss nicht warum, auch wenn es einige Vorzeichen gab, begann es im Garten zu knirschen und zu knacken; Risse taten sich auf und Loecher entstanden.. All seine Anstrengungen, den Garten zu beschuetzen  waren umsonst und bald darauf  erhob sich dieser mit einem fuerchterlichen Ruck, riss sich los, hob ab und flog weg.

Der Gaertner blieb verstoert zurueck. Aus der Sprachlosigkeit wurde Schrecken,  und kurz darauf brach er in wuetendes Schreien aus:  alle und alles verdaechtigte er an dieser Misere schuldig zu sein, unterirdische Erdbeben und Ausserirdische eingeschlossen. Zu guter Letzt, dem Unausweichlichem ergeben, verwanelte sich der Gaertner in ein ein Kuemmelkoernchen, lies sich in den Kraeutergarten treiben und schlug dort neue Wurzeln.

Da begab es sich, dass  ein junger Bursch schon ein paar Mal hier am Garten vorbeigeschlendert war und den Hals lang gestreckt hatte, um ihn besser sehen zu koennen. Eines Tages stieg er flugs ueber den Zaun und spazierte heimlich im Garten herum. Dabei strich er leicht ueber eine Staude, beruehrte vorsichtig ein  zartes Pflaenzchen und brach eine alte Samenkapsel ab. Genuesslich zog er den Geruch des Kraeutergartens durch die Nase und  beschloss   den Garten sein eigen zu nennen. Schon am naechsten Morgen stach er den verwilderten Kraeutergarten um und legte Blumenbeete an. …

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